Sonntag, 23. Februar 2014

Vorfächer fürs Hechtangeln

Immer wieder wird von Spinnanglern welche auf Hechte angeln diskutiert wie haltbar Flurocarbon, Hardmono oder Titan im Gegensatz zum altmodischen Stahlvorfach ist. Obwohl es auch beim Stahl einige Neuerungen gab, wie 7x7 Material mit 49 Einzelfäden ist es noch mehr oder weniger gleich geblieben über die letzten Jahre.

Wie schnittfest/knick resistent sind nun die einzelnen Materialien, wie stark kann ein scharfer Hechtzahn die einzelnen Materialien beschädigen?

Um genau das herauszufinden habe ich einen kleinen Test durchgeführt, den obligatorischen Hechtzahn durch Cuttermesserklingen ersetzt und mit verschiedenen Gewichten Druck/Bewegung ausgeübt. Folgende Werte kamen dabei heraus. (Rot hinterlegt sind die Werte welche ohne Reibung unter Zug erreichbar waren, orange hinterlegt ist der Wert welcher sogar Reibung unter Zug aushält)

  • Gamakatsu Flurocarbon 0,42mm - 500g direkter Abriss 
  • Daiwa Saltiga 0,60mm Flurocarbon - 500g stark beschädigt, bei Reibung Abriss, 1kg direkter Abriss 
  • Daiwa Saltiga 0,85mm Flurocarbon - 1kg stark beschädigt, bei Reibung Abriss 
  • Daiwa Saltiga 1,00mm Flurocarbon - 1kg beschädigt, bei Reibung Abriss, 2kg direkter Abriss 
  • Uni Cat 1,2mm Hardmono - 2kg beschädigt, bei Reibung Abriss 
  • Flurocarbon Hersteller unbekannt 150 Pfund Tragkraft - 2kg beschädigt, bei Reibung Abriss 
  • Stahlvorfach 4,5kg - 1kg leicht geknickt, bei Reibung Abriss 
  • Stahlvorfach 1x7 9kg - 2kg leicht geknickt, bei Reibung Abriss 
  • Stahlvorfach 1x7 15kg - 2kg leicht geknickt, hält bei Reibung 
  • Titan 0,15mm - 1kg leicht geknickt, bei Materialentspannung Abriss beim Knick 
  • Titan 0,20mm - 2kg leicht geknickt, bei Materialentspannung Abriss beim Knick

Zusammenfassend lässt sich folgendes feststellen - Flurocarbon der Stärke 0,85-1mm ist etwa ähnlich schnittfest wie relativ dünnes 4-5kg Stahlvorfach, der einzige Unterschied ist die Beschädigung des Materials nach der Belastung. Flurocarbon bekommt Schnitte da das Material weich ist, Stahl bekommt Knickstellen.

Möchte man in etwa die Schnittsicherheit von 9kg 1x7 Stahlvorfach benötigt man schon 1,2mm Hardmono oder 150 Pfund Flurocarbon mit Stärken deutlich über 1mm. Die höchste Sicherheit bietet 1x7 15kg Stahlvorfach - hier kann wirklich nichts schiefgehen vorausgesetzt es wird sauber geklemmt.

Titanvorfächer sind ein ganz eigenes Kapitel, das Material ist extrem Schnittfest und hart - dafür aber wenn es denn einmal geknickt wurde zum wegwerfen bzw. es bricht nach dem Knicken ohne Belastung von selbst.

Zu guter letzt kann ich bei möglichem Hechtkontakt empfehlen mindestens 0,85mm Flurocarbon oder 4kg Stahlvorfach zu verwenden, bei kleinen Ködern und Ruten unter 30g Wurfgewicht. Bei Wurfgewichten darüber mindestens 9kg 1x7 Stahl sowie Flurocarbon/Hardmono ab 1,2mm aufwärts. Möchte man auf Nummer sicher gehen bleibt nur der Griff zum relativ dicken sichtigen 15kg Stahl.

Freitag, 21. Februar 2014

Das Einmaleins des Baitcastens - Auswahl von Rute/Rolle/Schnur sowie erstes Werfen

Hat man sich dazu entschlossen dem Spinnfischen den Rücken zu kehren oder möchte einfach etwas neues versuchen, sowie seinen anglerischen Horizont erweitern fällt da natürlich das Baitcasten wie es in Japan/Amerika sehr beliebt ist ins Auge. Nur Baitcasten ist nicht Spinnangeln und die kleinen Multirollen - in flacher Bauweise Baitcaster genannt, sowie der Wurfablauf erfordern etwas Übung. Ich persönlich bin mir nicht sicher ob das Angeln mit der Spinnrute oder mit der Castingrute schwieriger zu erlernen ist wenn jemand überhaupt nicht angeln kann, aber die Umgewöhnung vom Spinnangeln auf Baitcasten dauert definitiv seine Zeit.

Mittlerweile auch am europäischen Markt angekommen gibt es eine große Auswahl an Rollen/Ruten und natürlich eine noch viel größere Auswahl an Rollen/Ruten von denen man die Finger lassen sollte. Kurz gesagt, es ist notwendig in zumindest halbwegs anständiges Tackle der mittleren Preisklasse zu investieren wenns klappen soll. Denn der Preis schlägt sich hier fast direkt auf mehr Wurfweite nieder und erspart viele Perücken. Das ergibt sich hauptsächlich durch bessere Kugellager bzw. niedrigere Spulengewichte sowie bessere Wurfbremssysteme - diese kosten im Falle der Baitcastrollen Geld.

Eine meiner Meinung nach lohnende Ruten/Rollenserie für Baitcast-Einsteiger ist die Amerikanische Daiwa Tatula Serie - Ruten und Rollen kosten hier jeweils 149 Dollar. Die Daiwa Tatula Rolle wirft von etwa 10 - 40g gute Weiten. Mit etwas Übung sind auch noch unter 10g möglich. Eine Daiwa Tatula 100 HSL mit einer Daiwa Tatula Rute mit Länge 6 Fuss 10 Zoll Medium Heavy stellt ist ein Setup dar, welches für Anfänger und Profi gleichermaßen gut zu verwenden ist. Köder von 10-max. 30g sind damit möglich. Werfen mit der Baitcastausrüstung funktioniert nur dann tadellos wenn die unteren sowie oberen Wurfgewichtsgrenzen der Rute eingehalten werden! Hält man sich an diese Regeln bietet die Tatula Serie eine simpel einzustellende Rolle, eine leichte relativ sensible Rute und gute Wurfweiten - mit 0,35mm monofiler Schnur bespult kann es dann ans üben gehen. Für anfängliche Wurfübungen ist monofile Schnur die beste Wahl - günstig und bei Perücken auf der Spule relativ leicht zu entwirren.

Beim Ködergewicht sollte man für den Anfang bei oben genanntem Gerät etwa 15-20g zum Üben auswählen.

Es gibt diverse Rollenhersteller, aber für Anfänger sind Baitcastrollen mit Spulenbremse sowie Magnetbremse die beste Wahl, die Regulierungsmöglichkeiten von aussen stellen einen zusätzlichen Vorteil dar. Jedes System hat seine Vorteile, trotzdem würde ich Anfängern ausschliesslich zu Rollen mit Magnetbremseinstellung raten, kürzere Übungszeit bzw. weniger Perücken werden es einem danken.

Von allen Herstellern ausser Daiwa/Shimano rate ich grundsätzlich ab, Abu Garcia wäre noch eine Option, aber beim Rest versäumt man nichts ausser man möchte sich ärgern oder hats gerne unnötig kompliziert.

Am Wasser gilt es natürlich die Rolle richtig einzustellen. Dazu siehe Bild unten. Mit Hilfe der Spulenbremse bzw. Schleifbremse (grüner Pfeil) das rechts/links Spiel der Spule reduzieren sodass der Köder bei gedrückter Freilauftaste (blauer Pfeil) langsam zu Boden sinkt. Bleibt der Köder stehen, Spulenbremse (grüner Pfeil) öffnen, fällt er schnell zu Boden Spulenbremse etwas schliessen. Ist die Spulenbremse richtig eingestellt, Magnetbremse (roter Pfeil) auf Einstellung 10 von 20 möglichen Einstellmöglichkeiten. Dann Freilauftaste (blauer Pfeil) drücken und werfen - dazu den Daumen im Richtigen Moment von der Freilauftaste (blauer Pfeil) entfernen. Kurz bevor der Köder am Wasser aufkommt den Daumen wieder auf die Spule um ein überdrehen der Spule zu verhindern. Soweit die Theorie.


Donnerstag, 20. Februar 2014

Spulenbauweisen bei Baitcastern

Um bestimmte Ködergewichte zuverlässig und stressfrei werfen zu können muss eine Vielzahl von Faktoren beachtet werden. Ein Punkt welcher von vielen nicht beachtet wird ist das Spulengewicht der Baitcastrolle. Zusammen mit dem Schnurgewicht bildet es die "Masse" welche durch das Ködergewicht in Rotation versetzt werden muss. Für einen 2g-3g leichten Köder ist es unmöglich 30 oder 40g Spulen/Schnurgewicht in Rotation zu versetzen. Deswegen gibt es je nach Einsatzzweck unterschiedliche Spulenbauformen sowie Gewichte. Eine flache Spule mit geringer Schnurfassung wird leichter in Rotation versetzt im Gegensatz zu einer tiefen. Besitzt die Spule eine lange Achse und nur wenig Gewicht im äusseren Spulenkörper trägt das ebenso dazu bei die Spule mit geringerem Aufwand in Rotation zu versetzen.

Nach Meinung vieler sollte die richtige Baitcastrolle gekauft werden um bestimmte Ködergewichte werfen zu können, das ist nur teilweise korrekt. Besser ausgedrückt ist es die optimale Spule welche den Ton bzw. die Wurfweite angibt. Natürlich gibt kaum ein Hersteller das Spulengewicht an, obwohl dieses den Einsatzzweck bzw. das mögliche geringste Ködergewicht einer Rolle definiert. Ebenso definiert die Stabilität der Spule auch ein oberes Wurfgewicht, welches aber meist nur mit Trial and Error herausgefunden werden kann. Es gibt 3 Punkte welche das geringste mögliche Ködergewicht der Spule bzw. in weiterer Folge den nutzbaren unteren Wurfgewichtsbereich der jeweiligen Baitcastrolle angeben:

  • Bauform (flache Spule mit geringer Schnurfassung oder tiefe Spule mit hoher Schnurfassung)
  • Gewichtsverteilung (schwere lange Achse oder schwerer äusserer Spulenkörper)
  • Spulengewicht

Hier 3 Beispiele wie so etwas aussehen kann.

Spulen für kleine Köder unter 5g Ködergewicht:

Eine Spule mit geringem Spulengewicht von unter 10g ohne Kugellager, flacher Spule und somit geringer Schnurfassung, obendrein schwerer Achse und leichtem aussen liegenden Spulenkörper, wie man es bei der Shimano Metanium Yumeya Shallow Spool findet eigenet sich also bestens für leichte Köder. Allerdings muss man hier wiederum aufpassen nicht zu schwere Köder zu werfen, dünnwandige Aluspulen mit vielen Bohrungen oder Magnesiumspulen verbiegen sich leicht wenn Probleme auftreten. Das ist der Grund warum Daiwa für seine "T3 Air" Baitcastrolle eine maximale Schnurstärke angibt. Finessespulen = nur Finesseköder/Schnur, sonst können verbogene Spulen die Freude trüben.

Shimano Metanium Yumeya Spule ohne Kugellager mit langer Achse (Spulengewicht ~9,8g)

Spulen für Köder ab 10g Ködergewicht:

Im Gegensatz dazu ist die Standard Spule der Daiwa Ryoga mit mittlerem Spulengewicht von 18g ohne Kugellager, tiefer Spule, höherer Schnurfassung, kurzer Achse und schwerem aussen liegenden Spulenkörper für leichte Köder nicht allzu toll geeignet. Hier muss bei befüllter Spule einiges Gewicht in Rotation versetzt werden. Allerdings ist diese Spule stabil gebaut, selbst dicke geflochtene Schnur ist hier möglich, ebenso ein höheres Ködergewicht Richtung 3-stelliger Gramm Bereich. Bei Köder ab einem gewissen Grundgewicht, vor allem mit guten Wurfeigenschaften ist es nicht mehr so entscheidend ob die Spule nun mit Schnur 30g oder gar 40g aufweist, es wird sich an der Wurfweite wenig ändern.

Daiwa Ryoga 2020 Standard Spule mit Kugellager (Spulengewicht ohne Kugellager ~18g)

Universelle Spulen ab 5g Ködergewicht:

Es gibt natürlich auch Spulen welche eine Mischung sind - siehe die Spule der Shimano Antares 2012. Die relativ flache Spule mit langer Achse und geringem Gewicht des aussen liegenden Spulenkörpers gaukelt Finesse Qualitäten vor, aber das Gewicht der Spule mit gut 15g ohne Kugellager ist für reine Finesse Köder zu hoch. Die Schnurfassung ebenso etwas zu groß um kleine Baits auf Weite zu befördern. Solche Spulen eignen sich sehr gut für weite Würfe mit Ködern im Bereich 10-30g.

Shimano Antares Spule mit langer Achse ohne Kugellager (Spulengewicht ~15g)

Hier noch ein paar Beispiele wie es mit den Spulengewichten aussieht...

Daiwa RCS 2014 Spule mit Kugellager (Spulengewicht ohne Kugellager ~16g)

Daiwa RCS 2020 Spule mit Kugellager (Spulengewicht ohne Kugellager ~16g)

Daiwa Tatula Type R Spule mit langer Achse ohne Kugellager (Spulengewicht ~16,2g)

Abu Revo Aurora Spule mit Kugellager (Spulengewicht ohne Kugellager ~10,4g)

Dienstag, 18. Februar 2014

Ultralight Baitcasting

Ein Thema welches in Japan in den letzten Jahren immer mehr Bedeutung findet ist das sogenannte Ultralight Baitcasting. Anders formuliert extrem kleine, leichte Köder (2g-4g) oder aber Gummiköder ohne Bleibeschwerung aller Art an einer Castingcombo zu verwenden.

Um Köder im Wurfgewichtsbereich 2-4g an einer Spinnrute zu werfen wird eine Stationärrolle der Größe 1000 sowie eine Rute im Wurfgewichtsbereich von real etwa 1-7g, besser 1-5g benötigt. Solches Gerät ist nicht allzu teuer und relativ einfach zu bekommen.

Anders sieht es da aus wenn dieses Vorhaben mit Castingrute und Rolle bewerkstelligt werden soll. Hierfür wird eine Rute mit Wurfgewicht 1-4g bzw. 1-5g benötigt welche sich ordentlich auflädt im Wurf. Die Auswahl der Hersteller wird hier sehr schnell sehr klein und obendrein sind solche Ruten in Europa kaum verfügbar.

Nachdem ich mit meiner Medium Light Rute im Wurfgewichtsbereich 4g und darunter nicht wirklich gemütlich werfen konnte entschied ich mich für einen Eigenbau. Ein 2wt Fliegenrutenblank mit 2m Länge war die Ausgangsbasis, dazu 10 Titan SIC Fuji Guides, ein Fuji Split Grip Trigger sowie etwas Kork.

2wt Fly Blank als Baitcastaufbau (51g bzw. 1,8Oz)


Die fertige Rute kommt mit dem spärlichen Aufbau auf 51g Eigengewicht ohne Rolle (1,8 Unzen) und ist mit der 170g schweren Shimano Metanium (Modell 2013) Baitcastrolle am vorderen Ende des Rollenfusses ausbalanciert. Soweit so gut.

Shimano Metanium 2013 + Yumeya Shallow Spool

Reins Minitwister mit 2g Owner Jigkopf

Shimano Metanium Yumeya Shallow Spool

Shimano Metanium Standard Spule

Wurfweitentests mit 2,8g Ködergewicht - Ergebnis 25m trotz Kälte


Als sinnvolle Wurfweite kann ich sagen, ein 2g Jigkopf + 0,8g Reins Minitwister 1 Zoll (siehe Bild 3) wirft sich mit meiner Eigenbau Rute auf 25m (mit Maßband gemessen) ohne jegliche Probleme. 2g Köder stellen ebenso kein Problem dar. Allerdings ist es meiner Meinung nach für Köder unter 4g notwendig die Shimano Yumeya Tuningspule (siehe Bild 4) in die Metanium einzubauen. Die Standardspule (siehe Bild 5) ist für Ködergewichte unter 4g zu schwer und besitzt obendrein zu viel Schnurfassung.

Kleine leichte Baitcastrollen welche sich ebenso für Ultralight Köder eignen sind die im Frühling 2014 erscheinende Daiwa SS AIR mit 145g Gewicht, die Shimano Aldebaran BFS mit 145g Gewicht sowie die Daiwa T3 Air mit 160g Gewicht.

Die von mir hier verwendete Shimano Metanium Modell 2013 mit Tuningspule ist an sich schon zu schwer/robust für ultralight Fischerei, nichts desto trotz wirft sie anständige Weiten und lässt sich tadellos bedienen. Ebenso gibt es sie in 3 Übersetzungen zu kaufen. Nebenbei lässt sie sich auch mit größeren Händen angenehm werfen, was mir persönlich zugute kommt.

Mögliche Köder für solch eine Ultralight BC Combo sind japanische Forellenblinker, kleinste Twister/Gummikrebse sowie weightless Köder und Japanische "Area" Wobbler (kleine widerhakenlose Forellenwobbler).

Jedem der es selbst mal Ultralight Baitcasting versuchen möchte, rate ich zuerst einmal das Baitcasten mit etwas höheren Gewichten (10-15g) zu perfektionieren um sich dann im Wurfgewichtsbereich nach unten zu arbeiten.

Dienstag, 28. Januar 2014

Tuningteile für Angelrollen

In Japan fast schon Standard kommt es langsam auch zu uns. Diverse Anbauteile um seine Rolle in der Funktion zu verbessern oder einfach nur anders aussehen zu lassen. Von Spulen, Handle, farbigen Handlemuttern, div. farbigen Schrauben, Knobs, Sternbremsen, farbigen Seitendeckeln usw. reicht die Palette. Egal ob für Stationärrollen oder Baitcastrollen, gerade bei Modellen welche ohnehin schon mehrere hundert Euro kosten ist es kein Problem einen ähnlichen Betrag für diverse Anbauteile auszugeben.

Allerdings muss man hier unterscheiden, die Funktion einer Rolle ändert man nur mit gewissen Tuningteilen, der Rest ist rein optisch. Bemerkbar machen sich Knobs da man mit diesen direkt Kontakt hat, siehe Bild. Aluminiumknobs wie die von Shimanos hauseigener Tuningschmiede Yumeya eignen sich vor allem für die Meeresangelei, in heimischen Gewässern bei kälteren Temperaturen wird man nicht viel Freude haben. Längere Handles sind ebenso eine Option welche sich bei der Kurbelkraft bemerkbar machen. Tuningspulen oder hochwertigere Spulenkugellager sind ebenso eine Variante um Baitcaster im Wurfverhalten zu verbessern/verändern oder aber um die Schnurmenge zu vergrößern oder zu verkleinern.


Der Rest ist aber eher kosmetischer Natur, wer also rein auf Performance Wert legt muss sich an Knobs/Handles oder Tuningspulen/guten Spulenlagern orientieren. Die meisten sonstigen Anbauteile verändern rein das Aussehen der Rolle und machen sie evtl. ein paar Gramm leichter oder schwerer.

Beim Kauf diverser Kleinteilen sollte man auf die Passgenauigkeit Wert legen, nichts ist ärgerlicher als ein Carbonhandle für 100 Euro welches nicht passt. Bei Shimano Yumeya oder bei Daiwa RCS findet man sich recht leicht zurecht was passende Teile angeht. Bei sonstigen Anbietern sollte man sich vorher genau informieren.

Donnerstag, 28. November 2013

Daiwa Tatula Type R HL Review

Die Daiwa Tatula (Type R) kommt mit recht vollmundigen Versprechungen von wegen robust, sanft laufendes Getriebe, günstig im Preis und tolle Wurfeigenschaften. Viel Marketing, bleibt die Frage ob die Tatula hält was sie verspricht?

Robust

Das Getriebe ist vom selben Material welches Daiwa Ryoga/Z 2020 oder auch Shimano Antares verwenden. Das Antriebsrad ist allerdings nicht so breit wie bei oben genannten, deutlich teureren Rollen. Also eine Spur weniger stabil. Kein Alu-Hauptzahnrad wie man es bei so manchem direkten Konkurrenten der Tatula findet - das schlägt sich natürlich aufs Gewicht wieder. 215g schwer ist die Tatula Type R laut Hersteller, aufgrund der Aluminium Konstruktion welche einen robusten Eindruck hinterlässt. Weiters hat die Tatula Type R und so weit ich informiert bin auch die normale Tatula ein 2. Kugellager an der Kurbelachse (siehe Foto) - ein Lager an dieser Stelle besitzen normalerweise nur weit teurere Rollen.


Eine ähnliche Konstruktion wie das von Shimano "X-Ship" genannte Feature findet man am Piniongear - das hilft nicht nur der Robustheit sondern auch der Laufkultur der Rolle. "Air Rotation" nennt sich dieses bei der Daiwa Tatula. Die Duraluminiumspule wiegt 16,2g ohne Kugellager, welches nicht mehr an der Spule sitzt - Air Rotation sei dank.

Getriebe

Wie schon unter "Robust" erwähnt ist das Getriebe fast auf dem Niveau einer Daiwa Z oder Ryoga - also solide, aufgrund der selben verwendeten Materialien. Von der Konstruktion her fühlt sich das Getriebe nach Oberklasse an dank der Air Rotation, besser als der Preis der Rolle es vermuten lassen würde. Bleibt die Frage wie exakt die Tatula Serie verarbeitet ist, da nur "Made in Thailand". Das kann nur Langzeiterfahrung zeigen. Die Spulenlager der Type R sind übrigens Daiwas CRBB Kugellager, ein Tuning zu Abec 7 würde hier definitiv etwas bringen. Oder man öffnet die CRBB Spulenlager und entfernt das viele Öl - bringt auch mehr Leichtlauf. Insgesamt hat die Tatula/Tatula Type R 7 Kugellager und 1 Walzenlager. Mit etwas Tuning (siehe weiter unten) sind es 11 Kugellager/1 Walzenlager.

Preis

Für 180 Euro all inclusive welche ich für die Tatula Type R inkl. Versand/Zoll und 20% Steuer bezahlt habe muss man einfach sagen - Preis/Leistung hervorragend. Für Bastler mehr als interessant - wer 20 Euro zusätzlich opfert für ein paar Handle-Kugellager und die originalen Lager reinigt, bekommt ein Laufverhalten geboten wie es bei 500-600 Euro Baitcastrollen seinesgleichen sucht.

Wurfeigenschaften

Der "Bereich" in dem sich die Rolle wohl fühlt sind Köder ab etwa 6g, optimal wird es ab 10g aufwärts - da fliegt alles sehr weit und geschmeidig (weniger Schnur-Rupfen dank TWS) in Richtung Horizont. Die Tatula Type R braucht sich wirklich nicht verstecken - mehr als nur gute Wurfweite, für den Preis gibt es keine andere Baitcast Rolle welche einen 15g Köder entspannter wirft, da das TWS die Schnur sehr geschmeidig sowie gleichmäßig frei gibt während des Wurfs.


TWS (T-Wing System)

TWS bzw. T-Wing System ist kurz erklärt schlicht und einfach die Schnurführung. Welche sich bei der Tatula weit öffnet wenn man die Freilauftaste drückt und zu einem Nadelöhr schließt sobald gekurbelt wird.
TWS gibt es nur bei Daiwa (bei allen T3 Modellen sowie der Daiwa Tatula/Tatula Type R in etwas abgeänderter Form).

offen (beim Wurf)
geschlossen (beim Köder einholen)

Tuning

Wer sich nun die Daiwa Tatula Type R kauft und bewusst keine High-End Baitcastrolle, wird soweit man annehmen kann nicht hunterte Euro in Tuninghandles/Tuningkugellager/Tuningknobs sowie sonstige Anbauteile stecken. Preisgünstiges Tuning ist also gefragt. 4 Plastikbushings (2 in den Knobs sowie 2 am Wormshaft) kann man austauschen - Kugellager durchschnittlicher Qualität sind ausreichend. Einen Carbontex Washer kann man ebenso unters Hauptzahnrad bauen statt dem roten kleinen Washer, welcher hier sitzt. Etwa 20 Euro fürs Tuning und man wertet die Rolle nochmal deutlich bei Laufkultur und inneren Werten auf - sehr zu empfehlen. Mit Abec 7 Spulenlagern kann ich mir gut vorstellen das die Wurfweite an die aktuellen Topmodelle herankommt. Wer das Maximum herausholen möchte dem sei eine Reinigung aller Kugellager oder ein Wechsel auf Abec 5 Lager sowie Abec 7 Spulenlager empfohlen.

Mit gereinigten und geölten Original-Kugellagern sowie den Spulenlagern gereinigt und trocken läuft die Rolle angekurbelt wie im Video ersichtlich sehr sehr lange nach.


Fazit

Normal aus der Packung ist die Daiwa Tatula Type R, welche sogar mit einer Bedienungsanleitung auf Deutsch kommt die 180 Euro meiner Meinung nach wert. Alu Gehäuse, stabiles Getriebe mit einem Konzept welches es sonst nur bei teureren Rollen gibt, gute Bremse, T-Wing System für entspanntes werfen, Magnetbremse mit 20 Einstellungen von aussen zu bedienen - was will man mehr, bis auf einen Klicker an der Spulenbremse? Diese Features sind mehr als man bei der Konkurrenz bekommt, allerdings muss man dafür das relativ hohe Gewicht im Vergleich zu Konkurrenzprodukten in Kauf nehmen. Aber eine robuste Konstruktion bringt eben meist etwas mehr auf die Waage.

Mit dem 0-8-15 Tuning welches ich der Rolle verpasst habe (1 Ringwasher, 4 kleine Kugellager mittlerer Qualität eingebaut) bringt die Type R zwar ein paar Gramm mehr auf die Waage, zeigt aber nochmals deutlich bessere Laufeigenschaften. Sie läuft sanft und leicht an (nicht auf dem Niveau einer Antares, aber tadellos) und hat mit dem T-Wing System einen Trumpf im Wurf, der die Konkurrenz alt aussehen lässt. Dank der 16,2g schweren Spule samt passender Schnurfassung ist sie definitiv nicht für Finesse Anwendungen gemacht, alles andere meistert sie aber mit Bravour. Insgesamt gesehen hält sie also alle Versprechen ein - Robust, gutes Getriebe, tolle Wurfeigenschaften, leichte Einstellmöglichkeiten von aussen sowie günstiger Preis.

Die Tatula oder Tatula Type R eignet sich auch optimal für Angler welche das Werfen mit Baitcast Rollen lernen möchten, aufgrund ihrer einfachen Bedienbarkeit. Ich gehe mal davon aus das es auch die Type R nach Europa schaffen wird (die normale Daiwa Tatula gibt es ja schon).

 Bedienungsanleitung auch auf Deutsch
 Etwas Tuning muss sein
 Eine ungewöhnliche Größe für ein Spulenlager
4 Plastikbushings entfernt - nun 11 Kugellager/1 Walzenlager
 Tatula Rute samt Tatula Type R
 Größenvergleich mit der deutlich leichteren aber bei weitem nicht so robusten Abu Revo Premier 2013

Dienstag, 26. November 2013

Daiwa Tatula Casting Rod 7'2" Heavy Review

Es geht um die neue Tatula Rutenserie, die Heavy Version in der Länge 7 Fuss, 2 Inch mit einem Wurfgewicht von angegebenen 3/8 bis 1 1/2 Unzen. Also etwa 10-45g. Das Wurfgewicht finde ich relativ korrekt angegeben. Die Rute selbst weist eine "Fast" Aktion auf, 9 Fuji Alconite Ringe (keine Microguides) sowie einen Rollenhalter mit Alu Feststellschraube und recht ansprechendem Design. Ein Hakenhalter ist ebenso am Blank angebracht. Insgesamt ist die Verarbeitung für eine Rute dieser Preisklasse als gut zu bewerten. Der Blank selbst schön straff, sehr leicht sowie dünnwandig. Der als Split Grip aufgebaute Griff der Rute liegt angenehm in der Hand. Das Design wirkt mit dem goldenen Elementen auf Schwarz schon fast edel, wüsste man nicht das die Rute in den USA für nur 150 Dollar (momentan etwa 110 Euro) im Laden steht. Schnurklasse der Tatula Heavy Casting 12-25lbs.

Benötigt man nicht die höchste Feinfühligkeit eines sehr teuren Topmodells oder das auf den Gramm genau niedrigste Rutengewicht ist die Tatula Serie eine ausgezeichnete Option zu einem sehr günstigen Preis. Diverse Modelle von der Standard 7 Fuss Medium Casting Rute bis hin zu mehreren Spinruten gibt es. Einteilig sind alle.

Meine Tatula Heavy habe ich noch nicht gewogen, aber eine Medium Heavy 6 Fuss 10 Inch wiegt 3,7 Unzen bzw. 105g laut einem amerikanischen Angler. Also nicht extrem leicht, aber auch nicht zu schwer.

Wer eine elegant wirkende preislich nicht allzu teure Rute mit dünn-wandigem Blank und vernünftigem Gewicht sucht ist hier sicher richtig.